Bau auf, bau auf…
Wie die Meisten von Euch sicherlich wissen, bin ich ja seit nunmehr rund 4 Monaten als Entwicklungshelfer im mittleren Osten aktiv. Eine junge, intelligente und überaus reizvolle, einheimische Dame überzeugte mich damals von der unbedingten Notwendigkeit eines Kerls meines Formats im hiesigen Freistaat. Und da ich neben meiner Bescheidenheit auch für meine allumfassende Kompetenz und herausragendes soziales Engagement über die Grenzen meiner Heimat hinaus bekannt bin, nahm ich den Auftrag an.
Ich war mir der Herausforderung bewußt. Niemand hat je behauptet, dass es einfach sei, die Grundbausteine zivilisierter Kultur einfach so von einem Bundesland ins andere zu portieren. Aber ich dachte mir: Wenn nicht ich, wer dann?
Derzeit befasse ich mich diesbezüglich mit zwei ganz besonderen Projekten, deren Durchsetzung sich als überraschend schwierig herausgestellt hat: Da wäre zum einen die Thematik "Müll-Trennung". Zugegeben – der gemeine Sachse ist dem Ureinwohner der deutschen Regierungshauptstadt bezüglich infrastruktureller Gegebenheiten sogar um Einiges voraus, was diesen Punkt angeht. Ein reichhaltiges Sortiment an Rohstoffkollektoren unterschiedlichster Farben mit ergänzend aufgedruckt erklärenden Texten zur Handhabung schmücken nahezu jedweden innerörtlichen Sammelpunkt. Vorbildlich, kann man da nur sagen. Und – soweit meine bisherigen Ermittlungen ergeben haben, wurde das Konzept sogar in den Grundzügen verstanden und aktiv von der Bevölkerung unterstützt!
Grandios, wenn… ja, wenn da nicht der bolschewikische Biomüll wäre. Ganz recht – am Biomüll, also quasi dem Nährboden deutscher Müllkultur, droht letztendlich alles zu scheitern! Leidenschaftlich investigativer Journalismus gepaart mit einer Prise Guerilla-Taktik brachte es zu Tage – ein Bild, welches mir in hiesigen Breitengraden traurigerweise nicht nur einmal begegnet und an inhaltlicher Grausamkeit kaum zu überbieten ist: Eine Tonne voller Biomüll -> in Plastiktüten! ![]()
Just, als ich den Mißstand nun fotografisch dokumentieren und entsprechendes Material für eine leicht sarkastisch angehauchte Hinweistafel mißbrauchen wollte, kamen mir natürlich die volkseigenen Entsorgungsbetriebe zuvor – und machten sich somit der Verdunklung mitschuldig! In mehrerlei Hinsicht, quasi…
Und dann, liebe Freunde, ist da noch der PSK im Treppenhaus – direkt unterhalb der Briefkästen. Diese Maßnahme verfolgt den ansich in anderen Regionen der Welt erfolgreich erprobten Ansatz der "Hilfe zur Selbsthilfe". Der Wessi kennt das Problem: Man öffnet den Briefkasten und hält näherungsweise 90% Spam in den Händen. Alternativ verseuchen Lokalanzeiger mit dem Informationsgehalt einer Brötchentüte den Posteingang. Statt nun aber den ganzen Zelluloseberg unter den Arm zu klemmen, um ihn dann rund 50 Treppenstufen in die eigene Behausung zu schaffen, dort zu lagern und anschließend zusammen mit dem Müll wieder 3 Etagen nach unten in die Tonne zu tragen, wirft man ihn – korrekt, Ihr habts erraten: In den PSK! Den Papiersammelkarton. Den hat nämlich irgendein cleveres Kerlchen (in diesem Falle ich) wohlweisslich dort aufgestellt, um sich selbst und seine geliebten Mitmenschen zu entlasten. Wenn der Kasten nämlich mit Werbestrunz voll gewesen wäre, hätte ihn nämlich sein Herrchen oder irgendein anderer, erleuchteter Zeitgenosse ganz kommunismus-like für alle fachgerecht entsorgen können. Geteiltes Leid und so! Ei verbibbsch, no?
Wurde aber auch nicht verstanden – obwohl ich in großen Lettern und wie man mir sagte volksgeläufigen Farben (Rot!) die Aufschrift "PAPIER" gut sichtbar auf dem PSK platzierte.
Nun, drei Tage hat es gedauert. Drei Tage, bis eine Mietpartei (ich hab ja da einen bestimmten, chronisch mosernden XY-Chromosomenträger in Verdacht) die Aufschrift offensichtlich zu wörtlich nahm und die PSK selbst im Papiercontainer entsorgte…
Das braucht alles Zeit hier, Leute. Zeit… und vieeel Geduld!


Ich finde Deinen Versuch, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, schon gut
Mich nerven Prospekte und Lokalanzeiger auch immer. Gut dass unsere Papiertonne 5 Meter neben dem Briefkasten ist
Forscher fanden heraus, dass der gemeine Sachse, gar nicht so gemein ist.
Aber ich muss jetzt mal was Fragen. Hat von euch schon mal irgendjemand einen Sachsen “Ei verbibbsch” sagen hören? Ich höre das immer nur von Bewohnern anderer Bundesländer, dass Sachsen das andauernd sagen würden, aber mir wurde die Freude es zu vernehmen noch nicht zu Teil. Und ich bin sogar manchmal in Leipzig und Dresden unterwegs.
Armer Kerl!
DU solltest dazu vllt einen Aushang ans hausinterne schwarze Brett machen – das hilft! hat zumindest in unserer alten Behausung geholfen. Und das mit dem Biomüll – die Biomülltüten sind auch aus Plaste – das versteht eh keiner! und wegen drei Kartoffelschalen im Monat eine Tüte zu benutzen – das ist Umweltverschmutzung hoch 10 !
Also das Phänomen mit den Plastiktütchen im Biomüll kenne ich. Ich habe mich vor einiger Zeit selber mal ertappt und mir dann gedacht, dass es Blodsinnig ist. Seitdem schütte ich die Tüten im Biomüll aus und stecke die leere Tüte in die gelbe Tonne daneben.
Zum Briefkasten-Spam und deinem PSK: Vielleicht solltest du es an die Hausmeldetafel als Mieterbrief hängen oder so, wo du es etwas genauer erklärst. Kleiner Tipp: Mach dich dafür verantwortlich, den PSK zu leeren, denn für das Kilo Altpapier gibt es wieder um die 4 – 5 Cent (fast wie damals als Pionier, Papier wegschaffen).
man frank der weiß doch nicht mal was pioniere sind geschweige denn was wir gemacht haben als solche!
@Leila: Hey Du! Schön, daß Du noch dabei bist!
@Harty: Jetzt wo Du’s sagst, würd ich meinen, wenn, dann auch nur im Spass *grübel*
@Buschel: Drehst ja ganzschön auf hier, liebstes Baumwollbeutelbuschelchen
Der Mann mit den kranken Ohren hat das Prinzip schon verstanden… man sammelt im Plastebeutel und entsorgt selbigen dann in der gelben Tonne. Und in der Regel (ich verkneife mir jetzt noch einen drittklassigen Witz dazu) hat man ja doch etwas mehr organischen Abfall als 3 Kartoffelschalen im Monat, oder?
@Frank: Ich fürchte, genau da liegt das Problem. Es gibt nämlich so einen Papiersammelbetrieb in der näheren Umgebung. Der notorisch mißtrauische Deutsche wird sich also vermutlich gesagt haben: “Was, da will einer mit meinem Papier Geld verdienen? Dem werd ich’s zeigen!”. Tja, was soll ich sagen: Du bist Deutschland, wir sind ein Volk
also, da muss man gar nicht in den osten. auch auf der ostalb wird der biomüll in plastikbeutel gesammelt.
Netter Versuch…aber im ersten Anlauf wohl kläglich gescheitert! Vielleicht solltest du eine Bedienungsanleitung für den Papierpappkarton schreiben!
@Neri In der Regel kommen diese Abfälle in den normalen Müll da sie nicht biologisch abbaubar sind!
Und wegen der Plastiktüten – Ich habe richtige Biomülltüten am Start, damit ich auch meine Kaffeefilter ordnungsgemäß entsorgen kann! Das mit dem los reinkippen in die Tonne kenne ich aus unserer alten Behausung – ist nicht lecker wenn dir die Maden bei Müll verbringen entgegen kommen!