Blog ich das?
Eben diese Frage stelle ich mir, wie wahrscheinlich viele Blogger immer mal wieder. Meistens tue ich es dann nicht, weil es entweder zu trivial, zu persönlich, oder in manchen Fällen nur billiger Aufguss wäre. Und genau in letztgenannten Punkt findet sich ein Stolperstein auf dem Weg zu mehr Einweg-Besuchern (ich melde übrigens Urheberrechte auf diesen Begriff an! *g*), wie mir grad unter der Dusche bewußt wurde.
Ich vermeide es hier bewußt, Medien-Trends wie metallisch klingende Browser, Apfel-Telephon-Verlosungen, Privat-Pornos von Casting-Modellen und ähnlichem einzugehen. Der Grund ist immer derselbe: Ich persönlich fühle mich davon genervt, wenn ich in meinem Feed-Reader oder beim virtuellen Rundgang durch Kleinbloggersdorf zig mal dieselbe, bestenfalls umformulierte Meldung zum Fraß vorgeworfen bekomme. Ergo möchte ich meine raren geliebten Stammleser nicht noch dadurch verschrecken. Nachher steh ich hier noch alleine da…
Schlußendlich ist es doch so, dass all die Blogs, die sich da bewußt als Wiederkäuer betätigen nur ein Ziel verfolgen: Suchmaschinen-Besucher abzugreifen und diese zu knechten idealerweise noch zu einem Klick auf eine bezahlte Werbefläche zu bewegen. Und dieses Konzept funktioniert sogar überraschend gut, wenn man den Berichten einiger Kollegen glauben darf, die sich hierrauf (teil-)spezialisiert haben.
Ohne den Einsatz dieser gezielten Schlüsselwort-Synthese bringt es ein Blog natürlich auf wesentlich weniger Treffer in den einschlägigen Suchmaschinendiensten – zumindest, was die meistgesuchten Begriffe/Keywords angeht.
Ich vermeide es ebenfalls, zur Verbreitung von Links zu irgendwelchen Persönlichkeitstests oder anderweitig für die Menschheitsgeschichte bedeutsamen Services nach dem Schneeballprinzip beizutragen. Dabei ist es doch genau das, was die breite Masse will, wie uns ein vergeichender Blick auf die Verkaufszahlen etablierter Tageszeitungen bestätigt. Gefragt sind Titten Trivialitäten. Der durchschnittliche Besucher des weltweiten Datennetztes will kurz und heftig unterhalten werden. Er will einen Großteil seiner kognitiven Ressourcen abschalten und entspannen. Etwa so wie Fernsehen. Einfach zappen. Und das ist nichteinmal verwerflich – erklärt aber, wieso die Fraktion der Aufwärm-Blogger ebenfalls großen Besucherandrang zu verzeichnen hat. Die wirklich privaten Publikationen wecken selten die Aufmerksamkeit der breiten Massen – es sei denn sie überzeugen durch Charakter, Ideenreichtum, sowie eine semiprofesionelle Form der Selbstinszenierung. Und da stelle ich mir immer die Frage: Ist das noch authentisch, oder lese ich grade von einer Kunstfigur? Schreibt da ein Alter Ego? Hält diese Person im wahren Leben wirklich, was sie in Ihren Textzeilen oder multimedial verspricht? Und ist das relevant oder zählt letzlich doch nur der Unterhaltungswert?
Als Essenz bleibt jedem Einzelnen nur, sich die Frage zu stellen, für wen man eigentlich bloggt. Für die Welt? Für die Millionen von Menschen, die übers Internetz Antworten auf ihre Fragen suchen? Für Anerkennung und Beachtung? Für einen mehr oder weniger überschaubaren Kreis an ähnlich gestrickten Menschen mit digitaler Publikationsplattform? Für Freunde und Famillie? Für sich selbst? 42?


Respekt!
Ein wirklich schöner Text, der die große Anzahl an IMHO sinnlosen Weblogs erklärt und der den Kern unserer Blog-Motivation gut trifft. Gefällt mir gut!
Ein Blog muss einfach einen Sinn haben. Ist zumindest meine/unsere Meinung.
Hmm, wenn jetzt 42 Leute sich mit der Beantwortung der Frage “plagen”, deswegen keine 42*42 Beiträge der Junkfood-Art dabei ausgestoßen werden und nebenbei die Existenz von Gott ad absurdum geführt wird.. Hut ab, die Welt – oder auch nur 42% von ihr – wurde ein kleines bisschen sicherer und besser
Das kannst Du gern für Dich so entscheiden und ich finde das im Großen und ganzen auch richtig, aber Du solltest jedem anderen auch gleiches zugestehen und nicht als “Wiederkäuer” etc. bezeichnen. Das ist schlechter Stil und hebt Dich hervor, als sei deine Art zu bloggen die einzig Richtige. Solche Alleinstellungsmerkmale mag ich nicht besonders, denn letztlich kann, darf, soll, muss jeder so bloggen wie er will. Wem es nicht gefällt, der braucht es ja nicht zu lesen. Kurzum.
*kritisch rüberblick und grins*
Uwe
@Papa B: Richtig – ich habe auch absolut nichts gegen Blogs, die sich nebenher als Multiplikatoren betätigen – das ist sogar wünschenswert. Bedient man sich jedoch ausschließlich dessen, sehe ich das fast als Mißbrauch der Idee hinter dem Begriff Blog.
@Uwe: Herzlich willkommen. Ich sehe, Sie haben verstanden
@Teddykrieger: Ganz im Gegenteil – diese “Erhebung” ist doch eher Teil Deiner Interpretation, oder? Die Pauschalisierung “Alle” ist sicherlich unschön – da gebe ich Dir recht. Durch die abschließende Fragestellung lasse ich es doch aber jedem freigestellt, ob er diese Form der Bloggerei wählt, oder nicht. Ich gebe ja sogar zu bedenken, dass sie sehr erfolgreich ist. Wer sich also dazu entschließt, kann damit jede Menge Erfolg haben – und der sei ihm auch gegönnt – nur bevorzuge ich halt sowohl als Blogbetreiber wie auch Leser eine andere “Kultur”, wenngleich ich auch einige Ableger der anderen Art regelmäßig verfolge und auch kommentiere. Ergo:Was ist an dem Begriff “Wiederkäuen” falsch? De facto ist es doch nichts anderes. Deine negative Assoziation zeigt doch eigentlich nur, dass Du ein ähnliches Verständnis dafür hast, oder?
zur kernfrage: ich blogge für mich!
ich erlebe auch auf meinen reisen viel lustige, aber auch nachdenkliche sachen. und die werden auch – meist allerdings in leicht veränderter form und ohne namensnennung – im blog verwurstet.
durch die stichwortgebung der einzelnen artikel kommen natürlich sehr viele suchmaschinennutzer zu mir. klar freut man sich auch über diese besucher, die ja im endeffekt dazu beitragen, ein blog auch etwas bekannter zu machen. wobei mir natürlich meine stammgäste die liebsten sind.
die ganz persönlichen sachen werde ich aber auch weiterhin nicht veröffentlichen, schliesslich interessiert es niemanden, wenn ich zum beispiel mal nen stress mit der besseren hälfte habe. sowas gehört auch nicht an die öffentlichkeit…
ich habe im letzten jahr mal einen artikel veröffentlicht, der ungeahnte wellen geschlagen hat. die leute haben mir quasi den blog eingerannt. wobei dies mit sicherheit nicht vorhersehbar und erst recht nicht geplant war. heute würde ich mir vorher überlegen, ob ich so etwas veröffentliche…
und hypes – wie gerade um das elendige befreiphone – bin ich eigentlich auch noch nie gefolgt. wobei mein themengebiet ja sehr vielfältig ist, wie der blogtitel ja schon aussagt. im endeffekt muss jeder für sich entscheiden, ob er nun nur für besucherzahlen bloggt oder einfach nur, um sich etwas von der seele zu schreiben und sich eventuell darüber mit leuten auszutauschen.
oder auch beides….
@Hans: Welcher Artiekl war denn das, wenn ich fragen darf? Gern auch per Mail…
mail ist raus….