Das neue Semester hat grad erst begonnen und schon macht man sich wieder Gedanken und Bauchschmerzen über die Vereinbarkeit aller auszufüllenden Rollen mit den zur Verfügung stehenden zeitlichen Ressourcen. Man, also streng genommen der Protagonist des kommenden Gedankenspiels, ist nunmal nicht (mehr) unabhängig, ungebunden und gänzlich frei von Sozialkontakten, wie es die Approbationsordnung manchmal zu fordern scheint…
Ich meine – mal ganz ehrlich: Der “Stundenplan” des 4. Studienjahres sieht, die Teilnahme an allen angesetzten Lehrveranstaltungen vorausgesetzt, eine Anwesenheitszeit in der Uni von etwa 8-19(!!!) Uhr, exklusive einer einstündigen Mittagspause zum entspannten Schlemmen in der Mensa vor. Löblicherweise wurden die Pflichtveranstaltungen darunter ja am Vormittag konzentriert – aber eigentlich ist man ja als motivierter und wissbegieriger Student auch an den zumindest einigen Vorlesungen interessiert.
Mal ganz abgesehen davon, dass ich zumindest den familiären Rückhalt und die Unterstützung meiner Partnerin habe: Ich bzw. meine Frau könnte(n) es theoretisch schaffen, mein Kind morgens um 6:00 aus dem Bett zu reißen und im Halbschlaf zum Kindergarten zu treiben, von wo es dann am späten Nachmittag von Mama abgeholt werden könnte (vorausgesetzt diese hat keinen Spätdienst). Wenn ich dann abends gegen 20:00 heim komme, ist das Lieblingskind dann allerdings schon wieder im Bett. Ob sie da nach 3-4 Monaten, am Ende des Semesters noch weiß, wer ich bin?
Und wieviel von der kognitiven Druckbetankung, die ich in den vergangenen 12 Stunden erfahren habe, bleibt am Ende trotz konzentrationsmaximierender, universitär rabattgeförderter Hochdosis-Koffein-Eigentherapie überhaupt hängen? Mal abgesehen von einer drohenden, studentischen Massen-Osteomalazie in Folge mangelnder Lichtexposition…
Nunngut – geschätzte 70-80% der “höheren Semester” besuchen Vorlesungen eh nur noch sporadisch um Kommillitonen/innen zu treffen und übers vergangene oder kommende Wochenende zu plaudern – mit Fortschreiten des Semesters leeren sich die Hörsäle jedenfalls dramatisch. Teils aus nachvollziehbar qualitativen Defiziten der Frontalveranstaltungen, aber sicherlich auch deshalb, weil selbst der kinderlose Durchschnittstudent soetwas wie ein Privatleben besitzt, oder gar seinen Lebensunterhalt verdienen muss – wie ich ich ja auch. Eine Erkenntnis, die mich dann zwar nicht auf direktem Wege zur Katharsis, wohl aber zu der Einsicht führt, dass ICH wenigstens gute Gründe habe, warum ich leider zu rationalisieren gezwungen bin – und das eben nicht etwa, wie von manch einer Lehrkraft mit mahnendem Zeigefinger proklamiert, um bei sommerlichen Temperaturen dem Sonnenbad oder der Gartenkneipe den Vorzug zu geben.
Nein, es kommt viel besser: Ich rocke die regionalen Spielplätze!
