Der Überraschungs-Handschuh
Nichtsahnend läufst Du die Straße entlang. Es ist ein schöner, warmer Herbsttag – viel angenehmer als das regnerische Wetter der vergangenen Wochen. Die Bäume tragen zunehmend rote und gelbe Blätter. Ein laues Lüftchen weht Dir um die Nase. In der Ferne hörst Du vergnügtes Kinderlachen. Du spazierst ganz entspannt den Weg entlang und denkst…
"Oh mein Gott!!!"
Vor Dir liegt regungslos eine junge Frau auf der Straße. Offensichtlich wurde sie von einem Kleinlaster erfasst, dessen Fahrer zwar aus seinem Wagen ausgestiegen ist, im Schock aber nur völlig apathisch dasteht, starrt und wirr daher redet. Du schaust Dich um. Weit und breit niemand sonst zu sehen – außer Dir, dem Lieferwagenfahrer und - ja, und der armen Frau, die da blutend am Boden liegt. Nennen wir sie der Einfachheit halber Lola.
Lola blutet. Scheinbar ist sie bei dem Unfall mit dem Kopf ziemlich hart auf den Asphalt aufgeschlagen. "Jemand muß doch was tun!", denkst Du noch, während in Dir die Erkenntnis keimt, das "Jemand" im Moment eigentlich nur Du sein kannst…
Idealerweise ist irgendwo in Deinem Hinterstübchen noch was von diesem komischen Erste-Hilfe-Kurs, den Du damals, vor etlichen Jahren vorm Führerschein machen mußtest übrig. In der Realität wahrscheinlich eher nicht. Was also tun? Bedenke, daß auch Du es sein könntest, der da auf der Straße liegt. Helfen sollte also selbstverständlich sein. Nur wie?
Nun, die logische Konsequenz der beim Lesen dieses Textes erlangten Erkenntnis, diese Frage eigentlich nicht beantworten zu können, sollte Dich eigentlich dazu bringen, Dich mal wieder zu einem Erste-Hilfe-Kurs anzumelden.
Leider hilft das Lola im Moment relativ wenig. Du mußt jetzt etwas tun. Wenigstens die Blutung stoppen, denkst Du Dir. Als aufmerksamer "Emergency Room"-Konsument weißt Du natürlich, daß Du hierzu etwas auf die Wunde pressen mußt. Kein Thema – Du bist ein ganzer Kerl. Und das Mädchen braucht Deine Hilfe! Entschlossen weist Du den Lieferanten mit einer persönlichen Ansprache an, via Handy die Feuerwehr zu verständigen und nach einem Notarzt zu verlangen. Super gemacht! Nun rennst Du zu Lola. Du kniest Dich vor ihr hin und…
Überraschung! Vor Dir liegt kein junges, äußerlich gesundes, attraktives und dankbares Model, welches Dir, als ihrem persönlichen Helden, den Rest ihres noch langen Lebens treu ergeben sein wird. Sorry, meine Herren! Nein, Lola ist blass und ausgemergelt, ihre Züge sind eingefallen, ihre Haare ungewaschen. Lola ist obdachlos und riecht nach Alkohol und altem Schweiß…
Du zögerst! Darf ich fragen, warum?
Natürlich hast Du recht… wer weiß, ob Lola nicht auch Drogen nimmt und womöglich anschafft. Was man sich da alles holen kann!
Aufwachen!!! Lola verdient Deine Hilfe – genau wie jeder andere auch! Selbst wenn vor Dir der Traum Deiner schlaflosen, feuchten Nächte läge – auch die/der kann HIV, Hepatitis oder ähnliches mit sich rum schleppen! Und genau deshalb ist es natürlich wichtig, auch Dich, den Helfer, zu schützen.
Was würdest Du jetzt nicht alles für ein paar Handschuhe geben, bei all dem Blut! Und für so eine komische Folie aus der Apotheke, die man auf den Mund eines zu Beatmenden legt, um den direkten Kontakt zu vermeiden.
Dafür hier ein kleiner Tip: In der Apotheke bekommst Du Einweghandschuhe (vorzugsweise aus Vinyl). Alternativ findet man vergleichbares auch regelmäßig als 100er-Pack im Angebot einiger Lebensmitteldiscounter. Vielleicht kennst Du ja auch jemanden, der im medizinschen Bereich arbeitet und Dir mal ein paar Handschuhe mitbringen kann.
Und dann? Ganz einfach: So Du die Handschuhe im Supermarkt erstanden hast, kaufst Du Dir gleich noch ein Über*aschungs-Ei dazu. Ja, richtig! Ein stinknormales Überr*schungs-Ei! Dieses kannst Du auch reinen Gewissens auf dem Weg nach Hause verputzen. Hauptsache, Du behälst das Innenleben! Und damit meine ich nicht das Spielzeug
Das gelbe Plastik-Tönnchen welches Du außerdem im Ei vorfindest, eignet sich nämlich hervorragend als Transportmedium für genau ein Paar o.g. Einweghandschuhe. Die passen da, mit ein wenig Vorsicht beim Einpacken, nämlich genau rein, sind praktisch in jeder Jacke oder jedem Rucksack ohne weiteres unterzubringen und dabei sogar noch vor Beschädigung geschützt (trotzdem alle paar Monate mal tauschen, schließlich sind sie thermischen Schwankungen ausgesetzt und können spröde werden)! Alternativ tut's auch eine Fotofilm-Dose, so man diese denn in Zeiten von Digitalkameras noch zur Hand hat…
Im Übrigen eignet sich ein durchstochener Handschuh (einfach die Handfläche durchstoßen) bei Bedarf auch hervorragend als Mundschutz bei der Mund-zu-Mund-Beatmung.
Sicher, steril ist diese Variante sicher nicht. Aber sicherlich reiner, als Deine Hände nach der Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und ggf. der Zigarette. Und – viel wichtiger, weil für Dich motivierender: Sie schützen Dich vorm Kontakt mit u.U. hochinfektiösen Flüssigkeiten.
Und jetzt: Schnell beim nächsten Erste-Hilfe-Kurs anmelden! Lola wird's Dir danken


Es gibt auch Beatmungsfolien mit Einwegventil. Sicherlich die vornehmere und hygienisch vorzuziehende Variante. Leider nicht ganz so billig (unter 10 €), aber auch über Apotheken zu beziehen.
Guck mal hier: http://www.nemodive.de/artikel/340-77001.htm
Ein Erste- Hilfe- Kurs sollte zu jedem TÜV gehören…
Gehören diese Handschuhe nicht eigentlich in jeden Verbandskasten? Und einen solchen sollte der Kleinlasterfahrerer doch besitzen.
Und zum Thema Erste-Hilfe-Kurs. Nötig wäre es schon. Ich geb ehrlich zu, ich hab ihn damals nur gemacht, um endlich meinen ersten Führerschein zu erhalten. Quasi weil es halt Pflicht war. Und der war an meiner damaligen Schule. Nun kann sich aber sicher jeder vorstellen, wie effizient der gewesen ist, wenn da die ganzen Kumpel aus der Klasse mit drin sitzen.
@Flocke: Ganz Deiner Meinung – regelmäßige Auffrischung würde sicherlich viele Leben retten und den Leuten sicherlich die Scheu nehmen, im Ernstfall selbst tätig zu werden, anstatt zu gaffen…
@Harty: Gute Frage – aus der man schließen kann, daß Du Dir nich ganz sicher bist, ob die da drin sind. Wärst Du also im Ernstfall erstmal zu dem Lieferwagenfahrer gelaufen, hättest versucht ihn zu beruhigen und dazu zu bewegen, Dir zu verraten, wo er seinen Verbandskasten versteckt hat? Alles nur konstruierte Geschichte – sicherlich… aber besser ists doch, wenigstens ansatzweise vorbereitet zu sein, hm?
Und was die Erste-Hilfe-Kurse angeht, ist genau das das Problem: Die Schulkurse werden meist auf ein Minimum zusammengekürzt, um den Unterricht nicht zu sehr zu behindern. Mein Kurs zu Schulzeiten wurde von 3 Tagen auf 4,5 Stunden komprimiert – hauptsache man konnte sagen, man hätte uns sowas zukommen lassen. Den erhaltenen Teilnahmeschein hab ich dann auch fürn Führerschein benutzt – war also quasi auf einem Stand nahe null, als ich mit 75PS auf die Menscheit losgelassen wurde…
Im Verbandskasten sollten die drin sein die sind ja Pflicht aber die Idee mit dem Ü Ei find ich klasse