Hörgesteuert

“Dieses Video enthält Content von… einem Platten-Label, dass auch nach 10 Jahren im neuen Millenium die ganze  Neue Medien-Welt immer noch nicht verstanden und den eigenen Nutzen im Sinne von kostenloser Werbung für Ihre Künstler schlicht noch nicht begriffen hat… Es ist in deinem Land nicht mehr verfügbar.”

So oder ähnlich lautet der Mitteilungstext, den man seit Monaten immer wieder beim Versuch, sich irgendein Video auf einem der größten Portale (nein, nicht youporn!) anzuschauen, vor den Latz geknallt bekommt. Und es nervt… soviel kann man garnicht essen. Und selbst wenn der gesuchte Clip mal problemlos abrufbar ist: Ins Blog einbetten darf man ihn natürlich in Bürokratien auch nicht. Man macht sich ja anderer Leute geistiges Eigentum zu Eigen. Eigenartige Sichtweise, eigentlich. Aber hey – eigentlich wollte ich mich doch darüber garnicht groß echauffieren. Oder doch? Ach ja… doch. Tut gut, ab und an mal. Jedenfalls gibt’s im Folgenden halt nur Text und Links. Nix mit Ton und bewegten bunten Bildern. Lohnt sich aber trotzdem…

Ursprünglich wollte ich was über exotische Instrumente schreiben, über die ich unlängst so gestolpert bin. Und das ganze hätte ich ja gerne hier und da multimedial unterlegt. Aber: isn’t. Ihr wisst schon: Falsches Wohnland und so.
Jedenfalls bin ich neulich in der Leipziger Fußgängerzone über zwei interessante Künstler(gruppen) gestolpert. Zum einen waren da Käpt’n Kanone and the Hooks on Fire.   Sehr unterhaltsam. Nur die Präsenz im Netz ist leider unterirdisch überschaubar. Sollte sich mal jemand drum kümmern. Könnte sich lohnen.
Vor allem erregte aber die kleine Percussion-Kiste (hier in Aktion) meine Aufmerksamkeit. Ein “Cajon“, wie mir eine Internetrecherche später verriet.  In einem Wort: M-U-S-S–I-C-H-H-A-B-E-N!
Mein Didge staubt ja in Folge zunehmender Luftnot  (steht mal wieder ne OP ins Haus) aktuell mehr ein als  Wurstwaren in Vegetarierhaushalten. Und Madame Neri kann durchaus ein bissl perkussive Unterstützung beim Gitarrenspiel gebrauchen.

200m weiter zwang mich mein Hörzentrum dann erneut ein paar Minuten auf dem Gehwegsrand zu verweilen. Der junge Mann, der hier sein Können zum Besten gab, zauberte aus etwas, dass aussah wie zwei eingedelte zusammengeschweißte Woks aufeinanderliegende Steel-Drums Klänge, die mich zutiefst beeindruckten. Mal abgesehen von der beeindruckenden Fingerfertigkeit des Künstlers. Darf man in diesem Fall sagen. wenn das nicht Kunst ist, weiß ich auch nicht. Anyway: Das “Ding” heißt “Hang“, oder auch “Hang-Drum” – und ist jetzt wohl nicht so ohne weiteres in jedem Musikhaus erhältlich. Muß man gehört haben!
Leider hab ich keine Ahnung, welchen Virtuosen ich hier in Leipzig beobachten durfte, aber dank Internetz war es nicht schwer jemanden zu finden, der auch Euch dieses Wunderding vorführt: Manu Delago beispielsweise… und was der Mann hier anstellt, ist meiner ganz persönlichen Meinung nach einfach nur genial. Derber Ohrwurm! Und wenn man dieses Wunder  dann noch in ein fulminantes Licht- und Klangspektakel von Shpongle integriert, ist Gänsehaut garantiert. Hilft mir jemand hoch?

Die Welt braucht ein Orchester mit Hang, Maultrommeln, Didge, Cajon, Obertongesängen und ähnlich tollen Geschichten… da gibt’s noch so viel spektakuläres zu hören, abseits unserer Standart-Klangerzeuger. Merkt man’s? Ich kann mich dafür irgendwie ziemlich begeistern ;)

18. August 2010 von Neri
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