Individuelles Bloggen und Resonanz
Es ist wie im realen Leben. Der Weg zu Ruhm, Ehre und Reichtum führt auch im Internet über billige Konsumgüter oder harte Arbeit. Es gibt also zwei Möglichkeiten, (Stamm-)KundenBesucher anzulocken:
Sexgeladener FastFood-Content bringt, gepaart mit geläufigen Celebrity-Namen, schnell und relativ unkompliziert einige hundert willige Konsumenten, die sich quasi zappend durchs Internet bewegen und dabei auch gern mal den ein oder anderen Klick in die hier übrigens gelb markierten! Werbebereiche einer Präsenz riskieren und somit dem bettelarmen Autor ein paar Cent in die Studentenkasse spülen. Danke! Nur: Ist das dann eigentlich noch klassisches Bloggen? Ist das, was ein Großteil der Bevölkerung morgens in der Bahn liest, wirklich eine Tageszeitung?
Etwas lang- und auch mühsamer verdient sich der gemeine Blogger sein AbendZubrot mit inhaltlich "wertvollerem" Content. Das können mehr oder weniger aufwendig zusammengetragene Informationen aus der Welt der Medien sein – da wird auch gern mal vom Nachbarn kopiert, so dass der einigermaßen umtriebige Leser beim Durchstöbern seiner Feeds ein und dieselbe Info auch oftmals 4-5mal präsentiert bekommt – oder eben über inhaltlich oder literarisch bemerkenswerte Beiträge. Sei es eine Geschichte aus der Jugendzeit oder eben eine fachliche Abhandlung.
Die vergleichende Betrachtung beider Konzepte führt einen schnell zum ernüchternden Ergebnis, das man mit der letztgenannten Variante zwar erfahrungsgemäß eine überschaubare Anzahl an Lesern mehr oder weniger dauerhaft zu binden vermag – mit der billigen Masche aber schneller zu Taschengeld kommen kann. Mit welchen Mitteln auch immer – es geht um nicht unerhebliche Beträge, wie man den aktuellen Veröffentlichungen einiger deutscher Kollegen entnehmen kann. Und ich weiß inoffiziell von höheren Beträgen, die mancherorts erwirtschaftet wurden!
Der Grund dafür ist naheliegend: Kaum einer sucht in etablierten Suchmaschinen nach "Grillen bei Antje". Die meisten Suchanfragen beziehen sich auf Themen unterhalb der Gürtellinie – also "Antje nackt am Grill", oder ähnlich. Und so generieren artverwandte Seiten, selbst wenn sie vergleichsweise saubere und sogar unterhaltsame Inhalte bieten, wesentlich mehr Traffic, als das Blog eines durchschnittssterblichen "Normalbürgers". Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Besucher, dessen Blutvolumen aktuell in der Peripherie der unteren Körperhälfte aufgestaut versackt ist, dann auf der Suche nach dem Kick zu einem Klick auf verheissungsvolle Werbversprechen in der Seitenleiste verleiten lässt, ist schließlich überproportional hoch.
Der engagierte Hobby-Journalist beispielsweise, der seine Leserschaft hingegen regelmäßig und ausführlich über Neuigkeiten aus dem Bereich freier Software versorgt, muß sich hingegegen mit vergleichsweise mickrigen Einnahmen aus der Werbung zufrieden geben. Zwar rekrutiert auch er eine sicherlich nicht unerhebliche Zahl an teilweise auch wiederkehrenden Lesern, jedoch sind diese nach dem Besuch seiner Seite schon befriedigt – haben sie doch wahrscheinlich genau das gefunden, was sie suchten – und schließen gnadenlos das Browserfenster, ohne ihren heroischen Helfer mit einem einfachen Fingerzucken zu entlohnen. Ungerecht, irgendwie.
Mein persönlicher Topseller an die Welt da draussen ist nach wie vor mein CarHifi-Kompendium (Link rechts in der Sidebar). Die daraus resultierenden Besucherzahlen sind auch recht ordentlich, insbesondere deshalb, weil der Artikel mittlerweile in unzähligen Foren und sogar auf kommerziellen Seiten empfohlen und verlinkt wird. Sogar einen Bösewicht, der alles ein wenig umformuliert und auf seine eigene Seite gestellt hat, gibt es schon.
Auf Platz Nummer zwei der Hitliste rangiert mein Erfahrungsbericht zum Thema Migräne, dicht gefolgt von meinen Ausführungen zum Thema Nasenpolypen – was mich, in Anbetracht zur Tatsache, dass ich zum Thema Hifi im Auto nicht mehr wirklich viel zu sagen habe, zu der Erkenntnis bringt, das mein Weg zu ein bisschen finanzieller Anerkennung wohl tatsächlich über laienverträgliche Texte zur Funktion bzw. den Gebrechen der menschlichen Existenz führen würde. Eine Überlegung ist es zumindest wert, denn ich bin jung und…. na, Ihr wisst schon. Andererseits ist es noch ein weiter Weg, bis ich ruhigen Gewissens von einer diesbezüglich umfassenden Kompetenz sprechen könnte. Eine entsprechende Konzeption vorausgesetzt, ist das aber vielleicht auch garnicht notwendig. We'll see – ich brüte.
Alles in allem sollte natürlich in einem Blog die persönliche Note nicht zu kurz kommen. Allerdings ist die diesbezügliche Gradwanderung auch nicht ohne. Insbesondere deshalb, weil man machmal einfach nicht skrupellos genug ist, zu verbloggen, was andere wenigstens nur vertwittern ("Huh, heute gibt's Kartoffelbrei!"), weil man schlichtweg nichts zu erzählen hat, was man für interessant hält (ich fürchte aber fast, ich stelle da sogar zu hohe Ansprüche) oder weil es teilweise schlicht nicht ins Internet gehört. Da hat der eine berufliche Vorteile, kann er doch unverblümt aus seinem Alltag bloggen, der andere hingegen kann dies, wenn überhaupt, nur anonym tun, um nicht gefeuert und mit einer Flut an Klagen eingedeckt zu werden. Und die ganz cleveren Exzentriker nutzen Ihren latenten Exhibitionismus und etablieren um Ihr Privatleben einen bemerkenswerten Personenkult. Und irgendwie verdient jeder einzelne Anerkennung für das, was er tut.
Kinder – was will ich damit eigentlich sagen? Keine Ahnung – war nur so ein Gedankensturm. Keine Sinnkrise oder so – hab doch grad eh keine Zeit. Eigentlich. Aber hauptsache, ich hab auch mal wieder was annähernd lesenswertes manifestiert und Ihr nicht die Hoffnung aufgegeben. Aber vielleicht macht Ihr ja sogar noch was draus, in den Kommentaren, oder bei Euch im Blog. Achja: Korrekturgelesen hab ich ausnahmsweise mal nich – etwaige Fehler dürft Ihr gerne auf Eurem Monitor rot anmarkern
Wie auch immer – ne ruhige Woche wünsch ich Euch!


Spannend finde ich, dass die von dir erwähnten “Großverdienerblogs” zumeist absolut uninteressanten Content bringen, oder eben Blogs eines pickeligen 14-jährigen sind, der halt Möchtegern-SEO ist und über das Geld verdienen als solches schreibt. Solche Blogs bilden eine Blase, man liest und klickt sich in dieser warzigen Gesellschaft halt selber untereinander. Absolut uninteressant und in meinen Augen der eitrige Pickel am Arsch der Blogosphäre.
Ich habe es neulich bei mir erwähnt: lieber ein fester Leser als 1000 zufällige, die via falscher Suchbegriffe bei mir aufschlagen.
Ein super Beitrag! Auch ich habe mal in einem anderen Zusammenhang über das “6-Phänumen” geschrieben. Die hauptsächlichen Besucher dabei sind dann laut meinen Erfahrungen eh nur Robots. Es versaut die Statistik. Was nutzt einem denn ein Beitrag, der mehrere tausend Mal ‘gelesen’ (von Robots besucht) wurde. Aber nachhaltige Reaktionen gibt es da nicht wirklich. Zudem muss man sich stärker gegen perversen Spam schützen.
Ich habe schon seit längerem wieder vom gut gemeinten Ratschlag abgesehen, anstößige Titel in Beiträgen zu nutzen, nur der Besucherzahl willen. Ebenso versuche ich, nichts anstößiges im Inhalt eines Beitrages zu nennen.
Auf der anderen Seite ist es schwer und sehr zeitaufwendig, einen guten Beitrag zu liefern. Und dabei nur wenn es hoch kommt einen ganzen Kommentar zu bekommen – naja. Dann bleibt es für mich nur noch ein Hobby, aus WordPress was vernünftiges rauszuholen und zu optimieren. Quasi fast ein Wettstreit, ‘wer hat den besten, schönsten, coolsten, … Blog’.
Lohnen tut es sich jedoch nicht. Über meine Schwester habe ich eine Provision von 130 Euro verdient, ansonsten tropfen langsam seit Begin meines bloggens durch Google insgesamt ca. 30 Euro ein. Wirklich nicht viel, aber darum geht es mir auch nicht, das große Geld damit zu verdienen.