Osmic Yovage
Wer sich hier wirklich jeden Artikel in seiner Gänze (was haben wir nicht für eine tolle Sprache, hm?) antut, der wird bemerkt haben, dass der schillernde Protagonist dieser Internetpräsenz, a.k.a Euer Lieblingsblogger, alias Neri seit rund 10 Jahren pathologisch seines Geruchsinnes beraubt ist.
Will heißen: Ich roch nichts. Null, nada, niente. Weder das Benzin an der Tankstelle, noch irgendein betörendes Parfum oder den Rauch eines Feuers. Keine "gute" Luft an Regentagen, keine Wald- und Wiesen-Frische, keine Blumen, keine frische Wäsche, kein Duft von leckerem Essen, kein "Duft der Frauen"…
Zugegeben – auch kein penetranter Knoblauchgeruch, keine Fäkalien, keine betäubend schweißigen Duftmarken der sich im Hochsommer an den oberen Stangen des Busses festhaltenden Mitfahrer im Bus nach Haus, keine penetrante Fäulnis und auch keine beißenden Chemikalien, oder ähnliches. Der Zustand hat also nicht nur Nachteile. Er ist allerdings auch risikobehaftet: Eine Wohnung mit Gasheizung beispielsweise verbietet sich logischerweise von selbst.
Ich hatte die Hoffnung eigentlich schon fast begraben. Doch durch eine geringfügige Umstellung meiner Medikation hat sich unerwarteterweise neben einer nahezu voll wiederhergestellten Fähigkeit zur Nasenatmung nach einiger Zeit nun auch mein Geruchssin zurückgemeldet. Der Weg zu den olfaktorischen Rezeptorzellen wird zunehmend freier – und ich mit einer Flut an alten neuen Eindrücken bombardiert:
Im Großen und Ganzen natürlich eine fantastische Sache, allerdings zeitweise auch etwas verstörend und irritierend. So ist es beispielsweise wunderschön, zu wissen, dass man die Frau an seiner Seite auch wirklich riechen mag. Zwar verfügt der Mensch gemäß aktuellen Erkentnissen der Wissenschaft im Gegensatz zu anderen Säugetieren lediglich über ein degeneriertes vomeronasales Organ – nichtsdestotrotz wird keiner abstreiten wollen, dass man das Odeur mancher Mitmenschen entweder besonders anziehend oder sogar abstoßend finden kann. Warum auch immer.
Ich durfte also in den letzten Tagen zunächst beruhigt feststellen, daß ich Madames Körperduft durchaus sehr anziehend finde – wenngleich sie nach Anwendung einer Ihrer Gesichtsmasken wie ein kleiner Teller Gurkensalat riecht. Ansonsten bin ich mit ihrer Auswahl an Kosmetika bis jetzt aber auch durchaus d'accord.
Beunruhigend im Kontrast hingegen die Tatsache, daß ich Selbst nach körperlicher Betätigung, gefolgt von oxidativem Einfluß in einer noch nicht näher determinierten Wirkdauer in der Lage bin, ein ähnliches Geruchsprofil wie der Ziegenbock im nahegelegenen Freigehege anzunehmen.
Glücklicherweise verfüge jedoch auch ich über ein relativ breites Spektrum an in Dosen komprimierten, künstlichen Duftstoffen und waschaktiven Substanzen, um entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Hab ich natürlich vorher auch schon getan – aber jetzt weiß ich wenigstens, mit wem ich es zu tun hab.
Ansonsten gilt es neben der Bewältigung einer Hundertschaft olfaktorischer Impressionen nun auch, die verfestigten, aber wie sich herausstellte teilweise recht mangelhaften kulinarischen Eindrücke der letzten Jahre neu zu bewerten. Irgendwie schmeckt nämlich doch alles anders als früher – wenngleich es mir durch den schleichenden Verlust nie wirklich bewußt war.
"Wir schreiben das Jahr 28, BMI 29 booyaboo'scher Zeitrechnung. Dies sind die Abenteuer des Nerinauten auf seinem Streifzug durch das terrestrische Nahrungsmittelangebot. [...]". Großes Kino!
Man riecht sich ;)


Es ist schon erstaunlich, dass wir beide sogar die gleiche blumige (hochtrabende) Sprachwahl verwenden, wenn wir Dinge besonders hervorheben wollen und teilweise zur übermässigen Verwendung von Fremdwörtern neigen.
Was den wiederkehrenden Geruchssinn angeht, so freue ich mich für Dich und hoffe, dass er Dich nicht so schnell wieder verlässt.
@Mattes: Für den inflationiären Fremdwortgebrauch war ich zu Schulzeiten berühmt und berüchtigt – ebenso wie für die Eigenschaft, teils DINA4-Seiten füllende Sätze zu konstruieren, bei denen man am Ende nicht mehr wußte, was am Anfang stand. Hat meiner Deutschlehrerin sicherlich ein paar graue Haare beschehrt… oder schreibt man bescheert? Egal, beides haarig *g*. Wie auch immer: Letzteres hab ich mir zumindest ansatzweise erfolgreich abgewöhnen können, Ersteres seh ich als persönliche Qualität, wenngleich ich heute auch nur noch so schreibe und weniger rede
Man schreibt sogar “beschert” (-> Bescherung, war doch gerade erst Weihnachten
)
Ganz großes Damentennis!
Aber ich freu mich für Dich, dass Deine Anosmie schwindet!
@Nighty: Bescherung? Tatsache? Tatsache! Hatte ich garnicht in Erwägung gezogen. Nunja – wieder was gelernt.
Das mit dem Gurkensalat ist aber auch Tatsache! Vielleicht ist da sogar ne Dill-Nuance mit drin. Da muß ich aber nochmal genauer ran
Ich kann mich nur an so ein Parfum erinnern, dass vor einigen Jahren sehr beliebt in der Damenwelt war. Jede Frau, die in den Bus einstieg, roch nach frisch geschnittenen Gurken.
Aber ich finde ja eh, dass meine Frau am Besten riecht